Fünf Goethe Liebeslieder

I. Rastlose Liebe (Johann Wolfgang von Goethe)
II. Ganymed (Johann Wolfgang von Goethe)
III. Suleika II (Marianne von Willemer)
IV. Nähe des Geliebten (Johann Wolfgang von Goethe)
V. Suleika I (Marianne von Willemer)

Orchester:

2 Flauti
Oboe
2 Clarinetti (A, B)
2 Fagotti
2 Corni
Violini I, II
Viole
Violoncelli
Bassi

Aufführungsdauer: ca. 22 min.
Stimmen als Leihmaterial erhältlich
Ansichtspartitur auf Anfrage

Fünf Liebeslieder für Sopran und Orchester
Texte von Johann Wolfgang von Goethe und Marianne von Willemer

Benjamin Gordon im Gespräch mit Dr. Andreas Jacob

Herr Gordon, dies ist schon der dritte Schubert-Zyklus, den Sie orchestriert haben. Welche Vorteile hat das Orchester gegenüber dem Klavier?

Für mich geht es eher um den Raum und den Kontext, in dem man die Lieder präsentiert und erlebt, als darum, sie in einem neuen, üppigen Gewand zu zeigen. Die eigentliche Heimat des Liedes – der Salon – ist leider von der Bildfläche verschwunden; stattdessen hat sich der Konzertsaal durchgesetzt. Ich möchte zeigen, dass diese Lieder nicht nur salon-, sondern auch „(Konzert-) saalfähig“ sind.

Schon bald nach Schuberts Tod erschienen die ersten Arrangements seiner Lieder. Warum hat Schubert sie nicht selbst orchestriert?

Schubert wusste genau, welche von seinen Werken gute Aussichten hatten, aufgeführt zu werden. Wenn man die Schwierigkeiten in Betracht zieht, die er mit der Aufführung seiner späten Sinfonien – die »Unvollendete« und die »Große C-Dur Sinfonie« – hatte, hätten sich die Orchesterlieder erst recht als ein „Schuss in den Ofen“ erwiesen. Es war Liszt mit seinem unersättlichen Appetit auf neues Repertoire, der das Potential, das in den Liedern steckt, erkannte. Liszt dachte übrigens in beide Richtungen: er bearbeitete Beethovens Neunte Sinfonie für Klavier solo – stellen Sie sich vor, wie das klingt!

Kann man in der Klavierstimme von Schubert schon Melodien für ein Orchester erkennen?

Für mich als Dirigent und Pianist ist es beinahe unvorstellbar, auf dem Klavier zu spielen, ohne mir dabei die Instrumente des Orchesters vorzustellen; mitten in »Ganymed« gibt es zum Beispiel eine Stelle, die ich schon immer mit einer Oboenmelodie assoziiert habe und die ich nun auch als solche orchestriert habe. Ich lege großen Wert darauf, dem Schubertschen Orchesterklang treu zu bleiben. Dennoch gab es einige Stellen, bei denen es mir gerechtfertigt erschien, die Instrumentationspraxis späterer Komponisten anzuwenden. In diesem Sinne fühle ich mich manchmal fast wie ein Winzer, der ausprobiert, ob eine althergebrachte Rebsorte auch in neuer Erde grünt und zu einem guten Wein gedeiht. Mit Orchester statt Klavier hat das längst bekannte Lied hoffentlich die gleiche Wirkung auf die Ohren wie ein herausragender Jahrgang auf die Zunge!

Brahms schrieb über Schuberts zwei »Suleika«-Vertonungen, dass sie die einzigen Fälle seien, bei denen die Kraft und die Schönheit von Goethes Worten durch die Musik bereichert werden. Alle anderen Gedichte seien so vollkommen, dass keine Musik sie verbessern könne.

Diese Bemerkung von Brahms bildete meinen Ausgangspunkt dafür, einen Goethe-Zyklus zu orchestrieren. Zudem gibt es einige verblüffende Ähnlichkeiten zwischen »Suleika I« und der »Unvollendeten«.

Allerdings wussten weder Brahms noch Schubert, dass die Gedichte Suleika I und II in Wirklichkeit gar nicht von Goethe geschrieben wurden…

Goethe hatte eine Art »literarische Affäre« mit Marianne von Willemer, die auch ihre Spuren in der Gedichtsammlung »West-östlicher Divan« hinterlassen hat. Dass die beiden Gedichte aus ihrer Feder stammen, wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts bekannt. Goethe hat ihre Autorschaft zwar verschwiegen, aber er hätte ihre Gedichte wohl niemals unter seinem Namen veröffentlicht, wenn er sie nicht für außergewöhnliche Poesie gehalten hätte.

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